Rezension Star Wars Jedi: Fallen Order inks. Ausblick Nachfolger

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Fast zehn Jahre ist es her, da sicherte sich Electronic Arts die begehrte Star Wars-Lizenz – und machte daraus lange wenig. Von 2013 bis einschließlich 2018 gingen aus dem Exklusivdeal mit Disney gerade einmal zwei Spiele hervor: Star Wars: Battlefront (2015) und Battlefront II (2017), die außerdem nicht nicht gerade Begeisterungsstürme auslösten. Star Wars-Fans waren mehr und Besseres gewohnt – man denke nur an Klassiker wie TIE Fighter (1994), Jedi Knight II: Jedi Outcast (2002), Rogue Squadron II: Rogue Leader (2001) und Knights of the Old Republic (2003).

Doch im November 2019 war es endlich so weit: Star Wars Jedi: Fallen Order kam in den Handel und auf Anhieb gut an. Und das nicht nur deshalb, weil EA endlich wieder einen traditionellen Singleplayer-Titel veröffentlichte, der zudem ganz ohne nervige Mikrotransaktionen auskommt.

Die Handlung

Bereits die Erzählung sticht positiv hervor und schafft es, eine eigenständige Geschichte zu erzählen, die sich trotzdem relevant anfühlt. Die Handlung von Fallen Order fällt dabei in dieselbe Epoche wie die jüngsten Disney Plus-TV-Serien Obi-Wan Kenobi und Star Wars: Andor. Das heißt: nach den Klonkriegen, aber vor der Fertigstellung des ersten Todessterns. Eine düstere Zeit, in der das Imperium seine Macht festigt und Jedi-Ritter gnadenlos verfolgt, was in Fallen Order auch mit der angemessenen Ernsthaftigkeit dargestellt wird. Der gelegentliche Comic Relief, hier in Form des Droiden BD-1 und des Alien Greez Dritus, darf aber trotzdem nicht fehlen.

Der Hauptcharakter hört auf den Namen Cal Kestis und ist ein ehemaliger Jedi-Padawan, der die Order 66 überlebt hat, allerdings enttarnt wird, als er die Macht nutzt, um einen Freund zu retten. In seiner Not erhält er Hilfe von der ehemaligen Jedi Cere Junda, die Cal für eine wichtige Mission gewinnen möchte: Der Beschaffung einer Liste mit machtbegabten Kindern überall in der Galaxis, die dazu dienen soll, den Jedi-Orden neu aufzubauen – und die deshalb auch das Imperium gern hätte.

Spielerische Einflüsse

Star Wars Jedi: Fallen Order kann aber auch spielerisch rundum überzeugen. Frei nach dem Motto „lieber gut geklaut als schlecht selbst gemacht“ bedienen sich die Entwickler von Respawn Entertainment (Titanfall, Apex Legends) bei einer ganzen Reihe von großen Vorbildern. Auch wenn Fallen Order deshalb wenig bietet, was man nicht anderswo schon einmal gesehen hätte: Die Kombination der einzelnen Teile und die Qualität ihrer Umsetzung machen den Mangel an wirklichen Innovationen mehr als wett.

Da ist zum einen natürlich Dark Souls, an das sich das Kampf- und Teile des Progressionssystems anlehnen, wenn auch stark vereinfacht und ohne den gnadenlosen Schwierigkeitsgrad des Kultspiels von From Software. Es braucht sich also niemand Sorgen zu machen, dass Fallen Order zu schwer sein könnte. Es sei denn, man möchte es gern knackig – dann lässt sich der Schwierigkeitsgrad ganz einfach hochstellen. Zwar zeigt sich spätestens dann, dass das Kampfsystem von Fallen Order mit dem Vorbild nicht ganz in einer Liga spielt, allerdings ist Dark Souls eben auch ein Ausnahmetitel.

Da ist zum anderen Metroid Prime, von dem sich Fallen Order nicht nur die Scan-Funktion und die Gestaltung der dreidimensionalen Karte abschaut, sondern vor allem das motivierende Metroidvania-Prinzip: Cal Kestis und sein Droide BD-1 lernen also stetig weitere Fähigkeiten dazu, die neue Wege (und Abkürzungen) in bereits bekannten Gebieten eröffnen. Da ist außerdem Tomb Raider: Genau wie mit Lara Croft müssen wir auch mit Cal Kestis uralte Gräber erkunden und Schalterrätsel lösen. Die Bewegung durch den Raum und die zahlreichen Kletterpartien sind hingegen klar von Prince of Persia: Sands of Time inspiriert – wobei es die coolen Wall-Runs auch schon in Respawns hauseigener Titanfall-Reihe gab.

Star Wars Jedi: Fallen Order Grafik und Sound

Bei alledem sieht Star Wars Jedi: Fallen Order auch drei Jahre nach seinem Erscheinen noch hervorragend aus. Die Soundkulisse steht der visuellen Qualität in nichts nach. Musik, Effekte und Sprachausgabe unterstreichen die filmische Inszenierung und sorgen stets für die richtige Atmosphäre. Jede der mehr als fünf Welten hat ihren eigenen Charakter. Lediglich der üppige Dschungel der Wookiee-Heimatwelt Kashyyyk fällt etwas ab. Hier gerät die Last-Gen-Engine sichtbar an ihre Grenzen und schaut nicht annähernd so natürlich und lebendig aus, wie das in aktuellen Spielen, zum Beispiel Horizon Forbidden West, mittlerweile möglich ist.

Star Wars Jedi: Survivor

Ich erwartete ein eher seichtes Actionspiel im Star Wars-Gewand und bekam: eines der besten Star Wars-Spiele aller Zeiten. Das beste? Vielleicht. Umso erfreulicher, dass die schon lange gemunkelte Fortsetzung mittlerweile auch offiziell angekündigt wurde. Unter dem Titel Star Wars Jedi: Survivor soll der Nachfolger bereits am 17. März 2023 erscheinen. Es gibt ein Wiedersehen mit Cal Kestis, der nun fünf Jahre älter ist und Bart trägt, und dem Rest der Crew. Über die Story ist wenig bekannt, außer dass sie im selben Jahr spielen soll wie die Obi-Wan Kenobi-TV-Serie.

Spielerisch dürfte Jedi: Survivor dort weitermachen, wo Fallen Order aufgehört hat. So wird Cal Kestis einige neue Kampfhaltungen einnehmen können, darunter auch eine Kombination von Lichtschwert und Blaster. Außerdem soll sich der Held erstmals auf Reittieren fortbewegen können. Aber Achtung: Survivor erscheint ausschließlich für die Konsolen der neuen Generation und den PC. Besitzer von Xbox One und PlayStation 4 bleiben diesmal außen vor. Das ist einerseits schade, bedeutet aber auch, dass Survivor die Fähigkeiten der neuen Hardware-Generation in Gänze ausnutzen kann. Das dürfte sich nicht nur auf die Grafik auswirken, sondern auch neue Möglichkeiten bei der Level-Gestaltung eröffnen.